14.5.2025 (ca)
„Im Frühjahr hat es in Augsburg deutlich zu wenig geregnet. Die vielen Dürreperioden der vergangenen Jahre setzen der Natur massiv zu. Kann man überhaupt noch etwas dagegen tun?“ Dieser Frage geht die die Augsburger Allgemeine Zeitung in dem Beitrag „Stadtwald ächzt unter Trockenheit“ nach (vom 13.5.2026, Ausgabe-Nr. 109, S. 40) und lässt dabei Dr. Eberhard Pfeuffer, Experte und tragendes Mitglied in unseren beiden Allianzen, sowie Frank Pintsch, den neuen Umwelt- und Ordnungsreferenten der Stadt Augsburg, zu Wort kommen:
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„Auf der Schießplatzheide geht Eberhard Pfeuffer in die Knie. Der Naturforscher streicht sanft über die Wiese, dann nimmt er braune Grashalme aus dem Boden. „Es tut weh, es tut richtig weh.“ Wochenlange Trockenheit hat die artenreichen Flächen im Augsburger Stadtwald früh im Jahr gezeichnet. Ein erheblicher Teil der Gräser ist vertrocknet. Für Pflanzen besteht kaum die Möglichkeit, zur Blüte zu gelangen. Im April fielen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Augsburg nur sieben Liter Regen pro Quadratmeter – ein Siebtel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge in dem Zeitraum. Auch im Mai hat es bisher kaum geregnet. Kurze Regengüsse sorgen für keine Entspannung. Pfeuffer zeichnet ein düsteres Bild. Seit 50 Jahren beobachtet Pfeuffer die wertvollen Heideflächen. Trockene Jahre habe es auch früher gelegentlich gegeben, sagt er. Doch was sich seit spätestens 2018 im Stadtwald abspielt, trifft den Experten ins Mark. Eine derartige Folge an Jahren mit Trockenperioden, die habe es früher nicht gegeben. „Das hinterlässt Wunden“, sagt Pfeuffer. In der Tat steigen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen für Augsburg seit rund 20 Jahren kontinuierlich an. Die durchschnittliche jährliche Gesamtregenmenge nahm im selben Zeitraum zwar kaum ab, doch dies ist nur auf den ersten Blick eine beruhigende Nachricht. Häufigere Trocken- und Dürreperioden treffen auf zunehmende Starkregenereignisse. Vertrocknete Böden können große Niederschlagsmengen in kürzester Zeit aber kaum aufnehmen. Das Wasser fließt oberflächlich ab, anstatt zu versickern. […] Doch nicht nur die Heideflächen kämpfen mit der Trockenheit. Der Baumbestand im Stadtwald steht seit Jahren unter Stress, wie die Förster regelmäßig dokumentieren. Die Forstverwaltung setzt deshalb auf Vielfalt und Verjüngung. Frank Pintsch (CSU), der in der neuen Stadtregierung auch für die Bereiche Umwelt und Natur verantwortlich ist, erklärt auf Anfrage, dass in diesem Frühjahr rund 90.000 junge Bäume von 38 verschiedenen Baumarten in die Stadtwälder gepflanzt worden seien. Pintsch nennt beispielhaft die Elsbeere, Traubeneiche und Mehlbeere. Sorgen mache man sich um die neu gepflanzten jungen Bäume, „die brauchen dringend Wasser“. […] Am Waldbestand stelle man bisher keine größeren Schäden fest, die sich alleine auf die diesjährige Frühjahrstrockenheit zurückführen lassen, sagt Pintsch. „Wir merken dem Wald aber an, dass die letzten Jahre trocken waren und er insgesamt weniger resilient wird.“ Der Wald sei ein Ökosystem, der immer als Ganzes betrachtet werden müsse. Und als solcher reagiere er träge auf Witterungseinflüsse. Laut den Ergebnissen der Waldklimastation Höglwald seien die Bodenwasserspeicher nach dem Winter gut gefüllt. Für vorgeschädigte Bäume und die akute Notlage der wertvollen Heideflächen schafft dies keine Erleichterung. Eigentlich, sagt Naturforscher Pfeuffer, habe man derzeit optimale Voraussetzungen. „Wir haben einen gut und kreativ arbeitenden Landschaftspflegeverband, eine engagierte Forstverwaltung. Aber beim Klimawandel, da sind wir völlig machtlos.“ Bei der aktuellen politischen Lage auf der Welt stehe man auf „verdorrtem Posten“. Gibt es keine Hoffnung? „Jein“, sagt Pfeuffer zögerlich. Der Klimawandel schreite voran. Vergangenes Jahr wandte er sich an den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) mit der Bitte, mehr Wasser für den Stadtwald zu ermöglichen. Doch dafür müsste unter anderem der Energieerzeuger Uniper mehr Wasser bei der Lechstaustufe 23 abgeben. Wie berichtet, gibt es seitens der Forstverwaltung bereits Verhandlungen mit Uniper, um mehr Wasser für die Aufwertung des Bachsystems im Stadtwald durchzulassen. Dem Vernehmen nach will Uniper die Menge aber gering halten, um bei der Nutzung der Wasserkraft keine Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Für Pfeuffer ist klar: „Ohne mehr Wasser für die Aue wird sich die Verschlechterung der Feuchtgebiete nicht aufhalten lassen.“
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