27.11.2025 (ca)
Der Klimawandel ist in den Alpen aufgrund des sichtbaren Rückgangs und Schmelzens der Gletscher sehr präsent. Und unmittelbare Auswirkungen ergeben sich auch in Augsburg gerade über die Verbindung mit dem Alpenfluß Lech und seiner Wasserversorgung. Die Gesellschaft für ökologische Forschung (GÖF) fotografiert bereits im 26. Jahr Gletschervergleiche und gehört damit zu den Pionieren der vergleichenden Gletscherfotografie. Zum Ende des diesjährigen „UN-Jahres zum Erhalt der Gletscher“ lud die GÖF zusammen mit Greenpeace Deutschland sowie der Alpenschutzkommission CIPRA zu einem besonderen Vortrag am 25.11.2025 nach München ein. Wilfried Haeberli, der profilierte Schweizer Gletscherforscher und emeritierte Professor für Physische Geographie an der Universität Zürich, referierte über „Verändertes Hochgebirge – Wie gehen wir damit um?“. Er war der erste Direktor des World Glacier Monitoring Service (WGMS) und die treibende Kraft für die langfristige Permafrostüberwachung in der Schweiz sowie weltweit. Der Vortrag wurde begleitet von Kurzbeiträgen von Sylvia Hamberger und Wolfgang Zängl von der GÖF, Vera Baumert vom Greenpeace-Landesbüro Bayern und Axel Doering, dem CIPRA-Präsident Deutschland. Die alarmierende Bilanz:
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Seit dem Jahr 2000 schrumpfen die Gletscher in den Alpen massiv. Die Schmelze hält unvermindert an, wie GÖF und Greenpeace Bayern mit neuen Foto-Zeitreihen und historischen Aufnahmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz belegen. Der letzte der vier verbliebenen Gletscher in Bayern wird voraussichtlich 2035 verschwunden sein. „Der Weckruf, der vom Internationalen Jahr zum Erhalt der Gletscher ausgehen sollte, ist ungehört verhallt. Der unwiederbringliche Verlust der bayerischen Alpengletscher macht deutlich, dass die Klimakrise mit ihren gravierenden Folgen den Freistaat längst erreicht hat“, sagte Vera Baumert. Von 1850 bis 2000 halbierte sich nach Berechnungen des Gletscherforschers Wilfried Haeberli die Gletscherfläche der Alpen. Nach der Jahrtausendwende beschleunigte sich der Eisverlust. „Die Veränderungen werden immer schneller, sind für die Zukunft schon weitgehend vorgegeben und für Generationen unumkehrbar“, sagte Haeberli. Mit 39 Prozent Masseverlust zwischen 2000 und 2023 verzeichnen die Alpen weltweit die schnellsten Schmelzraten. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die jährlichen Verluste stark an. Verglichen mit historischen Bildern sind viele Gletscher heute nur noch traurige Eisreste. Seit dem Jahr 2000 macht die GÖF diese Entwicklung durch eine alpenweite Fotodokumentation sichtbar. Das Gletscherarchiv der Gesellschaft sammelt Aufnahmen vom selben Standort und verdeutlicht den Rückgang der Gletscher durch Bildreihen und den Vergleich mit historischen Fotos. „Alles begann 1999 mit einer Postkarte des Morteratsch-Gletschers von 1911“, erinnert sich GÖF-Mitgründerin Sylvia Hamberger. „Es ist erschreckend und traurig, wie sich die Schmelzrate gerade in den vergangenen Jahren beschleunigt. Die Fotos von 2024 und 2025 zeigen, wie unsere verfehlte Klimapolitik der alpinen Gletscherwelt den Todesstoß versetzt.“ CIPRA-Präsident Axel Doering verfolgt den Verlust eines der letzten bayerischen Gletschers, den Nördlichen Schneeferner an der Zugspitze, aus nächster Nähe: „Ich fotografiere den Schneeferner jedes Jahr. Es ist bedrückend, wie aus einem stolzen Gletscher ein Bild des Jammers wurde, das nur noch wenige Jahre Bestand hat. Nicht nur das Bild des Gletschers ändert sich, auch sein Schmelzwasser wird im Sommer in den Bächen fehlen.“ Vera Baumert forderte daher landespolitische Konsequenzen aus der fortschreitenden Gletscher-Schmelze: „Bayerns Klimaneutralität auf das Jahr 2045 zu verschieben, ist unverantwortlich. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder muss beim Klima Tempo machen, statt zu bremsen. Wir brauchen jetzt einen naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien und einen klimafreundlichen Umbau von Wald- und Landwirtschaft.“
Weitere Informationen und Gletscherbilder unter:
https://www.greenpeace.de/klimaschutz/klimakrise/berge-eis-gletscher-schmelzen und www.gletscherarchiv.de
Bilder: Gletschervergleich Schneeferner-Gletscher in Deutschland, 1. Januar 1910 respektive 5. August 2025 © GÖF